In wenigen Tagen messefit – ein Gespräch mit Gerald Wirag
Zwei Wochen vor Beginn der Stuttgarter Spielemesse wurde es ernst: Für den Anschluss unserer zweigleisigen Spur‑N‑Module an die internationale Anlage des N‑Club‑International fehlte noch ein spezielles Übergangsmodul. Gerald Wirag übernahm den Bau. Wir haben ihn begleitet – und nachgefragt.
Ausgangslage
Zeitdruck, klare Normen und der Anspruch, auch optisch zu überzeugen: Das waren die Rahmenbedingungen für dieses Modul. Ziel war kein Ausstellungsstück für die Vitrine, sondern ein robustes, betriebssicheres Modul für den internationalen Messebetrieb.
Wann war klar, dass noch ein Modul gebaut werden muss – und dass es schnell gehen muss?
Gerald Wirag: Eigentlich relativ spät. Zwei Wochen vor der Messe stand fest, dass uns genau dieses Übergangsmodul fehlt. Da bleibt nicht viel Raum für Diskussionen. Entweder man fängt sofort an oder man lässt es bleiben und hat einen unschönen Modulübergang.
Der Rohbau: Basis für alles Weitere
Stabilität und saubere Elektrik sind bei Modulen entscheidend – vor allem dann, wenn sie mit fremden Anlagen kombiniert werden.
Wie bist du an den Bau herangegangen?
Wirag: Am 30.10.2021 habe ich zuerst den Holzrahmen zugesägt. Parallel dazu habe ich gleich die Modulstecker verdrahtet. Die Erfahrung zeigt: Wenn man die Elektrik zu lange aufschiebt, wird es später hektisch.


Bild: Zusägen des Holzrahmens und erste Arbeiten an den Modulsteckern.
Am nächsten Tag stand der Modulkasten?
Wirag: Genau. Am 31.10. wurden die vorgefertigten Bretter zum Modulkasten verschraubt. Danach kam das Trassenbrett hinein, und der Kork als Gleisunterlage wurde verleimt. Schon da konnte man die spätere Geländestruktur erahnen.





Bild: Der Modulkasten steht, die Trasse ist vorbereitet.
Gleisbau: Millimeterarbeit unter Zeitdruck
Der Gleisbau entscheidet über die spätere Betriebssicherheit – besonders bei zweigleisigen Modulen.
Der 1. November war komplett dem Gleisbau gewidmet. Warum ist dieser Schritt so kritisch?
Wirag: Weil hier nichts korrigiert werden darf. Zuerst habe ich die Aluminiumschablonen an den Modulübergängen befestigt und den Korkunterbau zugeschnitten. Dann wurde eine Lötleiste eingeklebt. Für den exakten Parallelabstand der Gleise nutze ich spezielle Metallglötze mit dem passenden Schienenprofil. Wenn das stimmt, läuft später auch fremdes Rollmaterial sauber über das Modul.






Bild: Gleisverlegung mit Aluminium‑Schablonen und Metallglötzen.
Landschaft: schnell, leicht, stabil
Nach der Technik durfte die Landschaft entstehen – pragmatisch und bewährt.
Wann wurde aus dem Rohbau eine Landschaft?
Wirag: Am 4.11. habe ich mit Kartonstreifen das Gelände aufgebaut. Dabei entstanden auch der Weg unter der Brücke und der Verlauf des Bachbetts. Gleichzeitig habe ich die Einspeisungsleitungen an den Schienen angelötet und nach unten geführt.





Bild: Geländeform aus Kartonstreifen, Bachlauf angedeutet.
Und die endgültige Form?
Wirag: Die kam am 5.11. mit Zeitungspapier und Leim. Zuvor habe ich noch die Brücke angepasst und eingesetzt. Zusätzlich bekamen die Schwellen einen ersten Anstrich – das nimmt später viel von der Plastikoptik.





Bild: Landschaft mit Papier kaschiert, Brücke eingesetzt.
Farbe, Elektrik und Wirkung
Grundfarben helfen, Proportionen und Flächen früh richtig einzuschätzen.
Was passierte am 6.11.?
Wirag: Ich habe die Modulstecker mit dem Kabelbaum eingezogen und an die Lötleisten angelötet. Danach bekam die Landschaft ihre Grundfarben. Jetzt sieht man sofort, wo Wiese entsteht und wo später Wald sein wird. Auch die Brücke gewann durch den grauen Anstrich deutlich an Tiefe.








Wasser und Gleisbett
Bachläufe und Schotter brauchen Zeit – vor allem zum Trocknen.
Wie ging es weiter?
Wirag: Am 7.11. habe ich das Bachbett mit ersten Felsen und Steinen aufgebaut und das Gleisbett geschottert und verklebt. Danach hieß es erst einmal abwarten.




Bild: Geschottertes Gleisbett und strukturierter Bachlauf.
Begrünung und Feinarbeit



Wann wurde es grün?
Wirag: Nach zwei Tagen Trocknungszeit, am 10.11., kam das Gras auf die Wiesen. Am 11.11. habe ich dann abgesaugt, Weg und Bachlauf nachbegrünt sowie die Modulkanten gesäubert und verspachtelt.





Kleine Pannen gehören dazu
Gab es auch Rückschläge?
Wirag: Klar. Am 12.11. bekam der Rahmen zwar seinen Außenanstrich und ich begann mit der Aufforstung, aber eine funkenschlagende Heißklebepistole und ein eingetrockneter Alleskleber haben mich kurz ausgebremst.


Details machen das Modul lebendig
Figuren und kleine Szenen ziehen auf Ausstellungen die Blicke auf sich.
Wie sah der letzte Bautag aus?
Wirag: Am 13.11. kamen die Details: ein Pferdegespann mit Langholz, ein Wanderer am Bach und mehrere Rehe am Waldrand. Solche Szenen erzählen kleine Geschichten – genau das bleibt den Besuchern im Gedächtnis.









Bild: Detailaufnahmen mit Figuren und Waldszene.
Fazit

In so kurzer Zeit ein komplettes Modul – hat sich der Aufwand gelohnt?
Wirag: Auf jeden Fall. Der Zeitplan war sportlich, aber mit klaren Tageszielen machbar. Am Ende stand ein betriebssicheres Modul, das sich auf der Spielemesse problemlos in die internationale Anlage eingefügt hat. Genau darum geht es beim Modulbau.

